Any given Friday
Es gibt viele dieser schönen Momente im leben eines Unihockeyspielers. Aber es gibt auch die anderen, die Augenblicke in denen man das ganze hinterfragt und einfach nur möchte das möglichst schnell wieder die anderen Momente im Vordergrund stehen.
Vor meiner Zeit beim HCR, also vor zirka 8 Wochen, assoziierte ich beim alltäglichen Begriff „Treppe“ noch einen einfachen Auf- oder Abgang der aus Stufen gebildet wird. Wie konnte ich ahnen, dass der Trainingsstart beim HCR meine Beziehung zu Treppen wesentlich verändern wird. Nicht, dass man jetzt denkt es bestand jemals eine Liebesbeziehung zwischen mir und Treppen. Das nicht gerade aber meine positive Bindung zu Treppen wurde schon früh durch meinen Opa erzwungen. „So lang me chan laufe, nimmt mä Stäge“ hiess es von Kind auf. Ich denke mein Opa meinte damit nicht diese art von Treppe.
Beim HCR gibt es die legendere Treppe. Gemeint ist nicht die Treppe an der, in den Siebzigerjahren der Verein gegründet wurde. Nein es ist die Treppe die bereits im Vorfeld des Sommertrainings allgegenwärtig war. Schon beim ersten Blick auf den Trainingsplan konnte ich anhand der Geräusche, der Spieler die schon länger im Verein spielen, vermuten das diese Trainingseinheit wenig mit dem Treppensteigen, dass ich kannte zu tun hat.
„Freitag: Treppenläufe am Lindberg, Kanti Rychenberg“.
Als neuer, mit der Erfahrung einer Jungfrau sprichst du dir selber Mut zu: „Sei nicht Voreingenommen, sei offen für Neues. So schlimm wird es nicht sein“. Wie konnte ich nur so naiv sein. Doch plötzlich stehe ich selbst vor der ersten Stufe dieser Treppe. Etwas verdeckt sind die ersten Tritte an der Rychenbergstrasse zu finden. Der Wegweiser „Goldenberg“ motivierte mich doch das hämische lächeln des Trainers zur Begrüssung lässt nichts gutes erahnen. Egal, mein Blick gilt nun DER TREPPE und deren Profil. Der leicht nach links drehende Verlauf lässt Raum für Spekulationen: „Ist dort oben nach der Kurve bereits das Ende?“ Es geht los und mir wird sehr schnell bewusst, dass DIE TREPPE nach der Kurve weiter, weiter, noch viel weiter geht. Aus dem erträglichen Schattenbereich, ins Himmels-Licht, an die pralle Sonne. Stufe für Stufe. Hoch, höher, Atemnot. Rauf, Runter, Rauf… Ich kämpfe. Bei Einzelnen tropft der Schweiss nur so aus den Poren, bei anderen fliesst er. Das Trittverhältnis DER TREPPE würde es erlauben zwei Tritte miteinander zu nehmen, der Schweinetreiber will aber, dass wir jede Stufe einzeln nehmen. Immer wieder gibt es neue Vorgaben. Hüpfen mit zwei Beinen, einem Bein Abwechselnd, zwei vor einer zurück, jeder Tritt einzeln, schnell. Aus dem Schweinetreiber ist mittlerweile Quälix genannt Felix Magath geworden. Es nimmt kein Ende. Durch den fehlenden Sauerstoff lässt die Zurechnungsfähigkeit langsam nach. „Shit, hat mich gerade Kevin Kuranyi überholt oder war es Mark Schuler? Fata Morgana?“. Als Jungfrau an der Treppe fühle ich mich inzwischen wie Kugelblitz Ailton, ausgepumpt und am falschen Ort. Ich versuche die müden Beine zu kontrollieren und führe innerlich wilde Streitgespräche mit mir selber: „Was mach ich hier? Quäl dich, du Sau! Wie lange noch? Scheiss Kevin…“ Opa kommt mir in den Sinn und die Frage: „Wo ist der Lift?“ Ich hasse Treppen. Und als ich nicht mehr damit gerechnet habe, wird einem ein Strohhalm gereicht und der letzte Anstieg verkündet. Mein Hirn macht mich zu Rocky Balboa und treibt michnochmals die 380 Stufen hinauf. Oben angekommen, fühle ich mich als Reinhold Messner von Winterthur. Mit dem Unterschied, dass alle Sherpas bereits vor mir oben sind. Neben mir, Kevin. Nein Schuler, der bereits wieder an ein Basketball-Mätchli denkt. Beim Abgang DER TREPPE beginnt sich mein Puls zu normalisieren bis mir bewusst wird, dass ich bereits in einer Woche, wieder vor DER TREPPE stehen werde. Quälix, Kevin, Schuler und ich, Ailton. Verdammter Freitag!
Text: Mario Kradolfer/Thomas Wolfer




















